Künstlerische Vita

Schon während meiner Schulzeit in den Evang. Seminaren im Kloster Maulbronn (heute Weltkulturerbe) und Blaubeuren hatte ich sehr inspirierende Kunstlehrer. Klassische und mittelalterliche Musik, Violinunterricht und Konzertbesuche waren immer präsent, unsere Aufführung der H-Moll Messe war überwältigend. Ebenso erinnere ich mich an Museumsbesuche und Kunstreisen (Renaissance in Würzburg und Franken). Experimentelle Malerei, Arbeiten mit Holz, Ton und Speckstein gehörten zum „normalen“ Schulunterricht.

Während der Tübinger Studienzeit ist mir besonders lebendig in Erinnerung die Begegnung mit dem Mallehrer Martin Schmid (Sohn des SPD Politikers Carlo Schmid). Er führte mich in die Welt der Lithographie ein. In dieser Zeit entstand das Bild "Der Bettler" (1971).

Die Anforderungen des Studiums, Familiengründung und psychoanalytisch-therapeutische Ausbildung brachten es mit sich, daß das unmittelbare künstlerische Schaffen erst mal warten mußte.

2007 nahm ich meinen Aquarellkasten mit auf eine Wohnmobilreise nach Schottland, zu den äußeren Hybriden. Die unterschiedlichen Beleuchtungen, Wolkenbildungen, die klaren sonnigen Farben nach heftigen Regengüssen (und die Ermunterungen meiner Frau Michaela) ließen in mir meinen alten Wunsch wieder erwachen, sehend mit den Gefühlen, die alles dies in mir auslöste, mich künstlerisch auseinander zu setzen.

Erste Schritte einer systematischen Ausbildung tat ich mit meinem Lehrer Karlheinz Reisch, der ein großer Glücksfall für mich war und ist. Seine behutsame und gleichzeitig energische Art erinnerte mich an meine beiden analytischen Lehrer (der eine verkörperte das Prinzip, „to let him analyze“, der andere das Prinzip, „to make him analyze“). So lernte ich in derselben Person beide Prinzipien: Er führte mich Schritt für Schritt in bestimmte Techniken ein, gleichzeitig ermunterte er mich, meinen eigenen künstlerischen Ausdruck selbst zu finden.

Es folgten Reisen (natürlich) in die Toskana und nach Florenz im Oktober 2007 (das erste Mal war ich als Studiosus Reiseleiter 1972 mit 30 amerikanischen Highschool Students in Florenz, das nächste Jahr war ich dann zum Glück alleine dort). Zwischen 2007 und 2010 hielt ich mich insgesamt 3 Monate auf Bali auf, viel freie Zeit, immer im Dezember und Januar, in einer faszinierenden, spirituellen Kultur mit Kontakten zu Künstlern im eigenen Prozess sich weiter zu entwickeln. Auch führte ich hier zum ersten Mal ein Seminar durch zum Thema „Befreites Loslassen – Loslassen befreit“, ein Versuch, Kunst – Kunsttherapie – Meditation zu verbinden. Ebenso wichtig waren mehrere Aufenthalte in Venedig in diesen Jahren immer im Frühjahr. Hier entstanden auch einige Bilder, auf denen sich das besondere klare Licht des Frühjahrs widerspiegelt. Ganz andere Bilder entstanden in Namibia / Südafrika, die Weite der (Dünen-)Landschaft, der Wüsten, die im afrikanischen Frühjahr bis zum Horizont mit hohem Gras bewachsen sind, wie ein unendliches goldenes Gräsermeer. War auf Bali das Grün mein Lehrmeister, so war es hier Braun und Ocker.

Thomas Haase in Venedig

Eine weitere wichtige Weiterentwicklung verdanke ich dem Kontakt zu Shan Zu Zhou und Da Huang Zhou (Zhou Brothers /Chicago), die ich an der Sommerakademie Salzburg / Hallein und in Traunkirchen treffen konnte. Sie waren dort seit über 10 Jahren als Dozenten aktiv und veranstalteten Sommerkurse mit ihrem Thema: „Gefühl ist Freiheit“, in welchen „eine Symbiose aus östlicher und westlicher Philosophie vermittelt wird, was ein Fenster zu einem Gefühl von Freiheit – nicht nur im künstlerischen Ausdruck, sondern auch in der gesamten Lebensweise – öffnet“. In einer Gruppe von 40 Künstlern aus über 10 Nationen zu malen ist ausserordentlich inspirierend. Das über 4 Wochen dauernde gemeinsame Leben und Arbeiten, der tägliche lebendige Austausch führte zu bis heute andauerndem Kontakt und lebendiger gemeinsamer Entwicklung.

Im Dezember 2012 traf ich das erste Mal auf Meera (Kasue Hashimoto) in Pune /Indien. Ihre Arbeit mit Schülern zeichnete sich sowohl durch Verspieltheit und Dynamik aus als auch durch Tiefe und Konfrontation mit dem eigenen Inneren. Durch Bewegung, Tanz und Meditation führt sie die Teilnehmer in einen Raum der Stille, jenseits des analysierenden Verstandes, aus dem heraus Bilder wie von selbst entstehen. Dabei geht es vor allen Dingen darum, sich selbst zu entdecken und in einem Akt des Schöpfens aus der Meditation heraus zu wachsen. „Kreativer Ausdruck ist nichts anderes als deine eigene Lebensenergie – die deinen Körper durchströmt wie unsichtbares Blut. Kunst ist die Sehnsucht jedes Einzelnen, wieder zurückzufinden zur Gesamtheit des Lebens – sich mit dem Leben selbst zu verbinden und es zum Ausdruck zu bringen.“

2013 fand ich mein neues Atelier in den Bergen des Südschwarzwaldes mit offenem Weitblick in eine offene Landschaft. Ich habe das Gefühl, dass ich diesen von Meera oben beschriebenen Weg schon lange gesucht habe. Jetzt habe ich ihn gefunden und bin gespannt und gelassen, wohin er mich führt …

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