Aquarellieren und seelischer Prozess

Aquarellfarben und Aquarelltechniken erlauben Spontanität, man kann nicht aquarellieren ohne das Risiko zu wagen, während etwas entsteht. Retuschieren ist nicht möglich. Sich auf das Aquarellieren einzulassen heißt für mich, sich mit dem unberechenbaren Verhalten unterschiedlichen Materials und verschiedener Farben und Pinselsorten einzulassen. Papiersorten reagieren sehr unterschiedlich auf verschiedene Pigmentsorten bei unterschiedlicher Temperatur und Luftfeuchtigkeit.

Aquarellieren heißt für mich, auf das „Zufällige“ als Ausdruck unbewußtem „Determiniertem“ sich einzulassen. Aquarellieren heißt für mich ganz persönlich, sich anzuvertrauen der freischwebenden Aufmerksamkeit des Psychoanalytikers, heißt sich freuen auf die Überraschung des plausiblen Ergebnisses, eigener Produktivität, Produktion und eigenem Produkt.

Vielleicht ermöglicht die Technik des Aquarellierens am ehesten das künstlerische Aufzeigen des Weges vom Innen zum Außen, vom Traum zur Wirklichkeit, eröffnet den Übergang sichtbar zu machen vom Vorbewußten, vom Ahnungsvollen zum Bewussten, zur wissenden Darstellung. Oder um es mit Sigmund Freud psychoanalytisch zu sagen: Wo (beim Künstler) Es war, soll (beim Künstler) Ich werden.

Für den Betrachter bleibt noch genug offen für sein eigenes inneres Erleben.

Winter an der Dreisam
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