Gedanken

Es ist mir ein Bedürfnis, und es hat sicher auch mit meiner jahrzehntelangen Beschäftigung als Psychoanalytiker mit Menschen, mit deren innerer Welt zu tun, mich mit den Bildern von Menschen zu beschäftigen, mehr als mit der Darstellung von Blumen und Landschaften.

Auf meinen Reisen bekam ich durch die vielfältigen Eindrücke der Kulturen und durch Begegnungen mit Menschen immer wieder neue Impulse, das darzustellen, was die innere Individualität von Menschen ausmacht, das darzustellen, was ich empfinde und weniger das, was diese nach außen vielleicht darstellen wollen.

Oskar Koller beschreibt dies sehr treffend in seiner Einleitung zu seinem Buch: Gemalte Begegnungen Aquarelle (München 2003): „Wo sich Innenwelt und Außenwelt berühren – das meint: Kunst bekommt da eine wirkliche Tiefe, wo das Gesehene, also die Außenwelt, das mit den Sinnen Aufgenommene, mit den inneren Vorstellungen des Künstlers zusammentrifft. Und wo das Bild, das der Künstler von dieser Außenwelt entwirft, diesem inneren Bild entspricht und beides sich durchdringt. So entsteht ein Bild, das nicht nur Abbild des Gesehenen ist, sondern auch etwas vom inneren Bild des Künstlers spiegelt.“

Koller beschreibt hier einen Vorgang, den man in der psychoanalytischen Arbeit ebenso findet. Zutreffende Deutung bekommt dann eine innere Tiefe, wenn das Gehörte vom Patienten im Psychotherapeuten zusammentrifft mit seinen eigenen Ideen, seinem Wissen und seinen Gefühlen (Übertragung – Gegenübertragung). Auch hier finden wir in der gelungenen Interpretation beides sich widerspiegeln, die innere Welt des Patienten und die des Psychoanalytikers.

So zeige ich durch die unmittelbare sinnliche Erfahrung in der Begegnung mit Menschen oder Menschengruppen, wie auch in der Begegnung mit gelesenen oder gesprochenen Worten und Sätzen meine eigenen inneren Bilder, die auch schon längst vor dieser Zeit in mir bereit standen, nach außen gebracht werden wollen.

Individuelles und kollektives Unbewußtes wird sichtbar bei der visuellen Umsetzung, die Visualisierungen lösen Phantasien und Spannung im Betrachter aus, schaffen Verbindungen zwischen kollektiver Vergangenheit, gebrochen jeweils durch meine innere Welt – die innere Welt des Künstlers – und die des Betrachters.

Leinwand
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